Typische Krankheitsbilder & Therapieansätze

In Folgenden finden Sie eine Übersicht typischer Erkrankungen, die im Therapiezentrum HafenCity behandelt werden:  

Inhaltsübersicht

1. Wirbelsäulenbeschwerden
1.1 Akuter Kreuzschmerz
1.2 Spezifische Wirbelsäulenerkrankungen
1.2.1 Bandscheibenvorfall mit Nervenbeteiligung
1.2.2 Skoliose
1.2.3 Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose/„Schaufensterkrankheit“)
1.2.4 Wirbelgleiten
1.2.5 Osteoporose (Knochenschwund)
1.2.6 Wirbelbrüche
1.2.7 Metastasen an der Wirbelsäule
2. Sportverletzungen
2.1 Schultergelenk
2.2 Ellenbogen
2.3 Handgelenk
2.4 Hüftgelenk
2.5 Muskelverletzungen
2.6 Kniegelenk
2.7 Sprunggelenk
3. Chronische Schmerzen
 

1. Wirbelsäulenbeschwerden

Rückenschmerzen sind ein verbreitetes Phänomen und die Ursachen vielfältig. Oft handelt es sich um eine gestörte Beweglichkeit der Wirbelsäule oder Dysbalancen des Muskel-Faszien-Systems, das heißt Verkürzungen oder Schwächungen der Bänder und Sehnen. Auch lassen sich hier Zusammenhänge mit Erkrankungen der Inneren Organe feststellen. Bei diesen Ursachen ist der Verlauf naturgemäß gutartig. Oft bedarf es nur einer kurzen therapeutischen Intervention – nach entsprechender Befunderhebung und fast immer ohne Apparatemedizin.

Darüber hinaus können allerdings auch qualitative Veränderungen zum Beispiel der Bandscheiben und Wirbelgelenke eine Ursache darstellen. Für diese „spezifischen“ Rückenschmerzen ist es charakteristisch

  • dass die Schmerzen in ein/beide Beine ausstrahlen
  • und/oder die Empfindung/das Gefühl gestört ist,
  • verminderte Muskelkraft, etwa beim Treppensteigen, feststellbar ist
  • die Koordination gestört ist (die „Beine gehorchen nicht mehr“).

Hier ist neben einer genauen Anamnese und ausführlichen Untersuchung meist auch eine diagnostisch-apparative Abklärung erforderlich.

1.1 AKUTER KREUZSCHMERZ

Die Fähigkeit des Menschen, aufrecht zu gehen, ist durch ein komplexes System und das Zusammenwirken aktiver und passiver Stabilisatoren gewährleistet. Zu den passiven Stabilisatoren gehören die Wirbel, die kleinen Wirbelgelenke, die zwei Wirbel beweglich miteinander verbinden, sowie Kapseln und Bänder. Als aktive Stabilisatoren wirken hauptsächlich die tiefen und oberflächlichen Muskeln.

Eine häufige Ursache für akute Rückenschmerzen sind Funktionsstörungen zum Beispiel der Wirbel- oder auch Wirbel-Rippengelenke. Diese behandelbare Funktionsstörung kann zu einer Abwehrspannung der benachbarten Muskelgruppen führen, die wiederum auch schmerzhaft sein kann. Durch eine manualmedizinische bzw. osteopathische Untersuchung lassen sich diese Ursachen identifizieren und eine normale Funktionalität wiederherstellen. Es gibt Menschen (meist Frauen), bei denen die passive Stabilisierung vor allem durch die Kapsel-Bandstrukturen herabgesetzt ist. Man vermutet hier genetisch-hormonelle Ursachen. Diese für sich genommen nicht krankhafte Veränderung führt zu einer besonders guten Beweglichkeit der Gelenke – zum Beispiel an der Wirbelsäule. In diesen Fällen ist die Muskulatur stark gefordert. Oft ist hier ein gezieltes Aufbautraining der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur ratsam, um Überlastungssituationen zu vermeiden. Hier spricht man von konstitutioneller Hypermobilität mit mangelnder muskulärer Stablilisierungsfähigkeit.

In unserer modernen Gesellschaft fehlen uns Menschen und unserer Muskulatur oft Bewegungs- und Trainingsanreize. Neben einem herabgesetzten psychischen Wohlbefinden ist eine mangelnde muskuläre Koordinations- und Stabilisierungsfähigkeit die häufigste Ursache für Rückenschmerzen. Neben einem „zu wenig“ kann jedoch auch ein „zu viel“ an Muskulatur zu Rückenschmerzen führen. Dieses Phänomen ist häufig bei Spitzensportlern bzw. im Kraftsport zu beobachten.

1.2 SPEZIFISCHE WIRBELSÄULENERKRANKUNGEN

1.2.1 Bandscheibenvorfall mit Nervenbeteiligung

Im Volksmund wird der akute Kreuzschmerz oft als „Bandscheibenvorfall“ bezeichnet oder man sagt „das kommt von der Bandscheibe“. Das ist jedoch nicht korrekt und ein „echter“ Bandscheibenvorfall ist hiervon klar zu trennen.

Der Faserring der Bandscheibe, der das gallertartige Bandscheibengewebe am Platz hält, kann rissig werden. Darüber tritt dann möglicherweise Gallertgewebe aus der Bandscheibe aus. Meist heilt dies nach einer Phase mit Rückenschmerzen wieder komplikationslos ab. Das ausgetretene Gewebe kann jedoch auch im Nervenkanal die dort verlaufenden Nerven reizen oder auf diese drücken. Diese Symptome treten vor allem in den Beinen auf. Neben einer typischen Schmerzverteilung können Störungen des Empfindens (Kribbeln, weniger Gefühl) oder der Muskelkraft (zum Beispiel der Fußheber oder -senker) auftreten.

In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist keine operative Intervention notwendig. Eine gezielte konservative Therapie, möglicherweise unterstützt durch Spritzen an die Nervenwurzel, ist die Methode der Wahl.

1.2.2 Skoliose

Kindliche und jugendliche Skoliose: Verkrümmungen der Wirbelsäule werden als Skoliose bezeichnet. Man unterscheidet leichte, mittlere und schwere Formen.Oft fallen Seitabweichungen der Wirbelsäule zufällig im Wachstumsalter auf, ohne dass Beschwerden auftreten. Verantwortlich ist meistens eine „idiopathische Skoliose“, die sich aus noch nicht gänzlich bekannten Ursachen im Wachstum entwickelt. Da in Familien gehäuft Fälle auftreten, wird eine genetische Veranlagung vermutet.Operative Maßnahmen sind nur bei sehr schweren Verlaufsformen erforderlich. Eine engmaschige Betreuung ist jedoch in allen Fällen sinnvoll, um eine Verschlimmerung nicht zu übersehen. Neben einer gezielten Physiotherapie und Osteopathie kann in besonderen Fällen eine Korsett-Therapie notwendig sein. Eine psychologische Begleitung in Verbindung mit dem weiteren medizinischen Therapieteam wird oft ebenso nachgefragt.

Skoliose im Erwachsenenalter („de-novo-Skoliose“): Im Alterungsprozess sind Lockerungen an der Wirbelsäule möglich. Wie alle Verschleißprozesse müssen diese nicht schmerzhaft sein. Es kann jedoch zu einer zunehmenden Instabilität einzelner Wirbelsäulenabschnitte kommen, die lokale Schmerz und/oder eine Verengung des Nervenkanals bzw. der Nervenaustrittspunkte zur Folge hat. Eine stete Abnahme der Gehfähigkeit ist hier oft die Folge.Ein gezieltes Trainingsprogramm der aktiven Rumpfstabilisatoren bringt oft eine Linderung der Beschwerden. In fortgeschrittenen Stadien kann jedoch eine operative Maßnahme sinnvoll sein.

1.2.3 Wirbelkanalverengung („Spinalkanalstenose“ oder „Schaufensterkrankheit“)

Im Laufe des Lebens zeigen sich im Bereich der Wirbelsäule verschleißbedingte Veränderungen. Diese schreiten meist sehr langsam und unbemerkt voran.Merkmale des Verschleißes sind typischerweise knöcherne Anbauten sowie eine Verdickung der Kapsel- und Bandstrukturen. Diese Veränderungen wachsen nicht nur nach „außen“, sondern möglicherweise auch nach „innen“ in Richtung Nervenkanal. Drücken sie dann auf die dort laufenden Nerven, so können sich diese schmerzhaft entzünden oder ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen. Die Folgen sind typischerweise gehstreckenabhängige Schmerzen, Gefühlsstörungen oder eine voranschreitende Kraftlosigkeit in den Beinen. In den milden Verlaufsformen bzw. bei einer reinen Entzündung der Nerven kann eine nicht-operative Therapie gut helfen. Wenn die Beine versagen oder man nur noch eine sehr kurze Strecke beschwerdefrei gehen kann, dann ist eine operative Nervenkanalerweiterung sinnvoll.

1.2.4 Wirbelgleiten

Knöcherne Veränderungen an den Wirbeln oder eine Lockerung zwischen Wirbeln kann im Alter zu einem funktionsinstabilen Wirbelgleiten führen. In einigen Sportarten, dazu gehört Bodenturnen, kann diese Veränderung gehäuft auftreten. Bei Beschwerden im Rücken hilft eine gezielte Physiotherapie durch Kräftigung der Muskulatur meist gut.

In fortgeschrittenen Stadien kann jedoch ein zwischen den Gleitwirbeln austretender Nerv „gefangen“ werden und zu Schmerzen und/oder Störung der Nervenfunktion (Gefühlsleitung aus den Beinen, Kraftaktivierung der Muskulatur) in den Beinen führen. Gekoppelt an das Stadium der Nervenreizung und -schädigung sind interventionelle Therapieoptionen angezeigt, zum Beispiel gezielte Spritzen an die Nervenwurzeln oder in die Wirbelgelenke oder eine minimalinvasive Operation.

1.2.5 Osteoporose (Knochenschwund)

Eine Abnahme der Knochenmasse aufgrund unteschiedlicher Ursachen wird als Osteoporose bezeichnet. Die häufigste Form tritt bei Frauen nach den Wechseljahren auf. Die Erkrankung beginnt oft schleichend und betrifft prinzipiell alle Knochen.

Auch ohne krankhafte Brüche kann ein osteoporotischer Knochen zu Schmerzen führen. Es ist nicht nur wichtig, diese Erkrankung frühzeitig zu erkennen und möglicherweise unterstützend medikamentöse oder diätetische Maßnahmen einzuleiten, sondern vor allem eine gezielte Trainingstherapie zu beginnen. So lässt sich das Bruchrisiko deutlich senken.

1.2.6 Wirbelbrüche

Nicht alle Brüche an der Wirbelsäule erfordern eine Operation operiert oder eine Therapie mit einem Korsett. Oft kommt es sogar unbemerkt zu einem Bruch des Wirbels, vor allem bei Osteoporose. Wichtig ist, einen Bruch richtig zu klassifizieren und die richtige Therapie einzuleiten. Es gibt schmerzhafte Brüche, bei denen konservative Maßnahmen erfolglos geblieben sind. Dann kann eine schmerztherapeutische Intervention über Schlüssellochtechnik (Kyphoplastie) eine sinnvolle Therapieoption darstellen. Nur in schweren Fällen ist eine operative Intervention notwendig.

1.2.7 Metastasen an der Wirbelsäule

Eine häufige Folge von Krebserkrankungen sind Absiedelungen von Tumorgewebe in die Knochen und vor allem in die Wirbelsäule.Durch Aushöhlung des Knochens kann es zu starken Schmerzen und schlimmstenfalls unkontrollierten Knochenbrüchen kommen. Durch Ausbreitung des Krebsgewebes in den Nervenkanal können darüber hinaus Lähmungen auftreten.Es ist daher sehr wichtig, frühzeitig den möglichen Befall des Skeletts fachorthopädisch klären zu lassen. Nach diesen Befunden richten sich weitere Therapieempfehlungen.

Grundsätzlich haben viele Studien gezeigt, dass sportliche Aktivität die Lebensqualität von Krebspatienten erheblich verbessert und einen positiven Einfluss auf die Krebstherapie hat. Es gilt hierbei, das Aktivitätsniveau durch individuelle Anleitung den Möglichkeiten und Grenzen des Erkrankungsstadiums anzupassen. Meist ist mehr möglich, als allgemein angenommen wird!

Liegen stärkere Aushöhlungen der Knochen vor, so kann dies einerseits zu starken Schmerzen führen – und so das alltägliche Aktivitätsniveau erheblich einschränken. Neben starken Schmerzmitteln gibt es heute modernste interventionelle Therapiemöglichkeiten. So kann beispielsweise durch eine Hitzesonde, die über eine sehr dünne Hohlnadel unter Röntgenkontrolle in die Wirbelkörper eingebracht wird, einerseits Krebsgewebe zerstört werden. Andererseits kann über diesen Weg dann auch eine Stabilisierung mit z.B. Knochenzement erfolgen. Besonders wichtig ist hierbei, dass z.B. eine Chemotherapie nicht unterbrochen werden muss und eine sofortige Rückkehr in den Alltag nach dem Eingriff möglich ist.

Sollte ein Wirbelkörper akut bruchgefährdet sein, so könnte eine Stabilisierung (Überbrückung) des betroffenen Bereiches notwendig sein. Auch hier kommt fast ausschließlich eine minimalinvasive Operationstechnik zur Anwendung. Dr. Schilling verfügt gerade in diesem Bereich über eine über profunde Erfahrung.

Unabhängig von der Erkrankungsschwere muss immer eine enge Zusammenarbeit mit den Kollegen erfolgen, die die Grunderkrankung behandeln. Durch diese Teamarbeit lässt sich für die Betroffenen quasi immer eine Verbesserung und Optimierung der Krebstherapie erreichen.

2. Orthopädische und Sport-assoziierten Erkrankungen

Ein Schwerpunkt unseres Therapiezentrums ist die Behandlung von orthopädischen und Sport-assoziierten Erkrankungen, als da sind:

2.1 SCHULTERGELENK

  • Verletzungen der Muskulatur (Rotatorenmannschette)
  • Einklemmungssyndrom (Impingement)
  • ​Verschleiss im Schultergelenk
  • ​Sprengung des Schultereckgelenks

2.2 ELLENBOGEN

  • Tennisellenbogen
  • ​Golferellenbogen

2.3 HANDGELENK

  • Verschleiss der Hand- und Fingergelenke
  • ​Karpaltunnelsyndrom

2.4 HÜFTGELENK

  • Hüftgelenksdysplasie
  • Einklemmungssyndrome (Impingement) am Hüftgelenk
  • Verschleiss des Hüftgelenks (Coxarthrose)

2.5 MUSKELVERLETZUNGEN

  • Muskelverhärtung, Muskelfaserriss, Muskelbündelriss

2.6 KNIEGELENK

  • Verletzungen des Meniskus
(akut vs degenerativ)
  • Kreuzbandverletzungen
  • Knorpelschaden am Kniegelenk
  • ​Verschleiss des Kniegelenks (Gonarthrose)

2.7 SPRUNGGELENK

  • Bänderdehnung, -riss
  • Instabilität im Sprunggelenk
  • ​Knorpelschaden

3. Chronische Schmerzen

In unserem interdisziplinären Team bieten wir das gesamte Leistungsspektrum moderner Schmerztherapie. Dazu gehören insbesondere

  • Gezielte Infiltrationstherapie
  • Periduralkatheter-Therapie
  • Korsetttherapie (zum Beispiel bei Wirbelbrüchen, die nicht operiert werden müssen)
  • Verhaltenstherapeutische Schulung
  • Expositionstherapie („Work-Hardening“)

Schmerzhafte Krankheitsbilder der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule werden in unserem therapeutischen Spektrum gleichermaßen bedacht. Viele Erkrankungen der knöchernen Wirbelsäule und angrenzender Strukturen beeinträchtigen den Betroffenen, müssen aber nicht immer unmittelbar operiert werden.